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Ich bin immer auf der Reise, denn das Leben ist eine Reise. Es kann sich schnell was ändern.

 

Ich bin als Mädchen auf die Welt gekommen. Andrea war mein Name. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe um was es hier geht. Die Pubertät war schwierig, weil ich nicht wusste, wie und was. Nun gehe ich durch eine Geschlechtsumwandlung. Ich muss mein ganzes Leben lang Hormone nehmen und habe schon mit 32 Osteoporose. Aber es hat sich jedenfalls ausgezahlt. Bei der aufwändigen Operation wurde für den Penoid-Aufbau das Muskelgewebe im Unterarm entfernt. Die Hand funktioniert, aber sie hat nicht mehr dieselbe Kraft wie früher. Extremsport wie Klettern kann ich nicht mehr machen. Ich geh nur noch fischen und saunieren.

 

Für mich ist wichtig, dass ich eine Partnerin habe, die für mich da ist. Wir helfen uns gegenseitig. Meine Frau stärkt mich immer, wenn es mir nicht so gut geht. Wir haben uns in der Selbsthilfegruppe Transgender kennengelernt. Wenn man allein ist, ist es viel schwieriger, die Komfortzone zu verlassen. Dabei ist viel mehr möglich als man glaubt. Es muss aber jeder seine eigene Formel finden.

 

Ich mag kein Schubladendenken, es ist doch egal, ob jemand Prada trägt oder einen zerfetzten Mantel oder ob man dem gesellschaftlichen Bild von einem Mann oder einer Frau entspricht. Wir sind alle Menschen. Lasst doch die Leute sein, wie sie sind. Wir haben ohnehin alle unser Packerl zu tragen.

 

Mein Job ist mir auch wichtig, das ist mein A und O. Ich habe zwei gesunde Hände und zwei gesunde Füße, sehen kann ich auch noch ganz gut. Wenn ich keinen Scheiß bau, kann ich bis zum Ende meines Lebens mit meinem aktuellen Job gut leben. 

 

Ich bin jetzt oben, früher war ich unten. Was ist da passiert? Angefangen hat es in der Kindheit, Mutter, Vater, Junkies. Ich war ein Jahr alt, als ich vom Jugendamt geholt wurde und in ein Heim gekommen bin. Später hat mich meine Tante aufgenommen, da bin ich behütet aufgewachsen. Meine Eltern leben nicht mehr. Mein Papa ist an den Folgen von Heroin-Missbrauch gestorben, da war ich noch in der Hauptschule. Meine Mutter ist später gestorben, ich hatte mit ihr keinen Kontakt mehr.

 

Ich habe in einem kleinen Spielwarengeschäft in Linz Einzelkauffrau gelernt. Das kennt jeder, da ist ein kleiner Hund draußen, der dauernd kläfft. Das ist gut gegangen. Ich wollte aber trotzdem nicht bleiben, weil ich dort meine damalige Freundin kennengelernt habe.

 

Der Chef wollte das nicht, ein Pärchen, dann auch noch lesbisch, was so nicht stimmt, aber das konnte ja keiner wissen.

 

Ich war dann in einem Lebensmittelgeschäft und wurde Marktstellvertreter. Da war ich erst 19. Mein Kollege und ich haben nur noch gearbeitet, oft auch am Sonntag. Irgendwann ging nichts mehr. Ich konnte nicht mehr aufstehen, ich wollte nichts mehr essen. An einem Abend habe ich unendlich viel Alkohol getrunken. Um 3 Uhr früh habe ich mir überlegt, jetzt habe ich genug Alkohol intus, nun schlucke ich alle möglichen Tabletten, die ich zuhause habe. Ich habe dann aber doch meine Freundin angerufen, ich musste auch erbrechen. Das war knapp.

 

Ich war vier Wochen in der Psychiatrie und da wurde mir zum ersten Mal gesagt, dass ich ein männliches Gehirn habe. Doch ich hatte noch nicht die Kraft mich mehr mit dem auseinanderzusetzen, sondern ich bin noch tiefer abgesackt. Durch den langen Krankenstand bin ich arbeitslos geworden. Ich habe gekifft und andere Drogen genommen. Von Marihuana bin ich abhängig geworden.

 

Ich war dann bei der Organisation Exit Sozial, und sie haben mir das Leben gerettet. Ich habe den Drogen abgeschworen und bekam eine Berufsunfähigkeitspension. Nun habe ich wieder eine eigene Wohnung. Durch Zufall bin ich zu einer Sicherheitsfirma gekommen, wo ich eineinhalb Jahre gearbeitet habe. Der Chef war ganz enttäuscht, als ich mich dann für den Hausdienst bei einer Universität entschieden habe.

 

Ich bin zuständig für die Wartung der technischen Maschinen, für die Schlüsselausgabe, Betreuung der Studenten. Ich bin technisch sehr interessiert und jederzeit lernbereit, step by step, dann ist alles möglich. Damit fahr ich gut.

 

Das Motto „Schritt für Schritt“ habe ich bei Exit Sozial gelernt. Ich bin verdammt froh, dass es solche Institutionen gibt.

LESEZEIT: 03-05 min

andreas

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