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Armut bedeutet Chancenlosigkeit. Geld schafft Möglichkeiten, die man sonst nicht hat. Viele Menschen haben Talente, die nicht gefördert werden und deshalb verkümmern.

Ich bin born and raised in Favoriten. Ich sage immer Favoriten, weil das ein wichtiger Bezugspunkt für mich war und ist. Wir haben im Karl-Wrba-Hof gewohnt, Plattenbau, Gemeindebau.

 

Das Jugendzentrum in der Nachbarschaft hat öfters gebrannt. Das habe ich aber als Kind nicht als so gefährlich empfunden, es war irgendwie normal. Ich war nie dort, meine Schwester und ich haben nicht so recht hingepasst. Wir waren nicht genug „österreichisch“ oder „arabisch“, damit wir akzeptiert wurden.

Unser Vater kommt aus Tunesien, daher der französische Nachname.

Wir sind nur bei meiner Mama aufgewachsen. Meine Eltern haben sich früh scheiden lassen. Ich kenn es nur so, ohne meinen Vater aufgewachsen zu sein. Als ich 15 Jahre alt war, haben wir eine Zeitlang bei einem Freund von Mama gewohnt, weil bei uns zuhause der Strom abgedreht wurde. Dann gab es auch kein warmes Wasser. Ich habe das meinen Schulfreundinnen nicht erzählt, so was habe ich mit mir selbst ausgemacht.

Ich habe Politik und Recht studiert. Ich hatte am Anfang meines Studiums keine Ahnung über bestimmte Verhaltensweisen, über den Habitus auf einer Universität, wie man sich auszudrücken hat, wie man Professor*innen zu behandeln hat. Wenn man keinen akademischen Hintergrund durch das Elternhaus hat, weiß man das nicht. Leider hat man aufgrund seiner Herkunft in Österreich weniger Chancen, vor allem auch, wenn man neben dem Studium arbeiten muss, und das musste ich auch immer. Dadurch entsteht ein ziemliches Ungleichgewicht zwischen den Student*innen. Das fand ich immer sehr unfair und deshalb habe ich mich auch in der Hochschülerschaft politisch engagiert und wurde ÖH-Vorsitzende. Ich bin früh politisch aktiv geworden, auch schon in der Schule. Ich habe bei der Schüler*innenzeitung mitgearbeitet und ich war in der Schüler*innenvertretung, zwei Jahre Vorsitzende der Aktion Kritischer Schüler*innen. Vielleicht betone ich es deshalb auch so sehr, dass ich aus Favoriten komme, weil ich damit vermittle, dass es auch jemand von dort bis an die Universität schaffen kann.  

Die Jahre politischer Arbeit haben mir auch gezeigt, wo das Limit ist. Das war auch frustrierend. Ich fühle mich ohnmächtig, wenn ich erlebe, dass es manchmal egal ist, wie sehr man sich engagiert und es ändert sich doch nie etwas, wie zum Beispiel beim Thema Gewalt gegen Frauen.

 

Menschen, die sich engagieren und für etwas kämpfen, ermutigen mich und geben mir Kraft. Politisch sein ist für mich

nicht nur ein Hobby, sondern eine Lebenshaltung, ein Kampf, den ich

nicht einfach aufgeben kann. 

Meine Hauptanliegen sind soziale Gerechtigkeit und Unterstützung für hilfesuchende Menschen. Es sollen alle eine Chance bekommen, jene, die keinen guten Start hatten, sollten unterstützt werden. Anti-Rassismus-Arbeit ist mir auch wichtig. Ich wurde als Kind oft gefragt, ob ich von meiner Mama adoptiert wurde, weil sie europäisch-weiß ist. Oder ich werde regelmäßig auf meinen Nachnamen angesprochen und gefragt, woher ich denn komme. Mir wurde auch erklärt, dass ich so temperamentvoll sei wegen meiner Hautfarbe. Für mich ist meine Herkunft kein so großes Thema, aber für mein Umfeld offenbar.

Jeder Mensch hat Vorurteile. Aber man bräuchte mehr Sensibilisierung auf mehreren Ebenen, vor allem bei Politiker*innen. Weiters ist die Medienberichterstattung oft ein Problem. Auch hier gibt es Leute, die ein sehr einseitiges Weltbild haben. Hetze gegen Migrant*innen trifft mich nicht nur persönlich, weil mein Papa irgendwann aus Tunesien nach Österreich gekommen ist, sondern es trifft mich einfach auch, dass Menschen so über andere Menschen reden.

LESEZEIT: 02-04 min

jasmin

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