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Ich lebe grundsätzlich mit wenig Geld und war auch einige Zeit freiwillig obdachlos. Ein möglichst einfacher Lebensstil und ein spirituelles Leben sind mir wichtig. Ich habe einen engen Bezug zu Franz von Assisi. In der franziskanischen Spiritualität ist die freiwillige Armut ein Ideal.

Ich habe Theologie studiert und war in Wien im Priesterseminar. Später habe ich meine Frau kennengelernt und wir haben zwei Kinder. Mehrere Jahre habe ich als Pastoralassistent gearbeitet. Nachdem ich auch damit aufgehört habe, konnte ich über eine Stiftung die Ausbildung zum Sozialpädagogen machen. Dadurch bin ich zur Emmaus-Gemeinschaft in St. Pölten gekommen. Seither habe ich keinen richtigen Job, also keine klassische Erwerbsarbeit mehr.

 

Der Dienst an der Barmherzigkeit und Nächstenliebe ist mir seit der Zeit bei der Emmaus-Gemeinschaft sehr wichtig. Das sehe ich als meine Berufung. Ich versuche, als Armer unter Armen zu leben und den Weg zu gehen, den Gott für mich vorsieht.

 

Mit den Obdachlosen versuche ich, so gut ich kann, im Kontakt zu stehen, mit einigen ist sogar eine schöne Freundschaft entstanden. Ich sehe sie immer wieder auf der Straße und in den diversen sozialen Einrichtungen.

Es gab Berührungspunkte mit Klöstern, zum Beispiel mit dem Franziskanerkloster Pupping. Dort habe ich eine Zeitlang mitgelebt und mitgearbeitet. Ein Eintritt war für mich allerdings nie das Thema, vor allem wegen meiner Kinder, für die ich auch Zeit haben sollte. Mir ist wichtig, dass ich bei den Armen bin, und die sind hauptsächlich in den Städten. In einem Kloster ist es oft so, dass man zwar als Mönch einfach lebt, aber weit weg von den Armen ist. Beim Ordenseintritt legt man außerdem die Gelübde ab. Armut kann ich unterschreiben, dieses Gelübde könnte ich ablegen, mit dem Gelübde des Gehorsams und Ehelosigkeit täte ich mir doch viel schwerer. Der Hl. Benedikt Labre aus Frankreich ist mir auch sehr nahe. Er ist viel herumgezogen und hat sein Leben in Armut verbracht, auf der Straße, mit den Armen.

Die Neigung zur franziskanischen Lebensweise habe ich schon lange. Mit meiner Frau konnte ich das nicht leben, ihr waren Geld, Wohnung und zum Beispiel auch ein Gartenhaus als Sicherheit wichtig. Das ist einfach eine andere Lebenshaltung. Mittlerweile sind wir geschieden. Für die meisten Menschen in unserem reichen Europa ist Geld nun mal wichtig. Das ist verständlich. Mein Weg ist ein anderer. Ich gehe sehr viel zu Fuß, zum Beispiel als Pilger. 2019 war ich vier Monate von Linz nach Santiago unterwegs. Jetzt habe ich mir das Klimaticket OÖ gekauft, ein kleiner Luxus, das gebe ich zu. Nun kann ich mit Bus und Zug fahren, ohne dass es mich extra was kostet.

Manche Leute haben sehr wenig Verständnis für diese Art von Leben. Das merke ich, und es macht mich ein bisschen traurig. Ein Praktikum ist unter anderem deshalb gescheitert, weil man meine Haltung so verstanden hat, dass ich eh nichts arbeiten will.

 

Das finde ich schade. Manche fragen mich, warum ich keine Erwerbsarbeit ausübe, sie verstehen meinen Weg nicht.

Seit über zehn Jahren habe ich mit meinem Sohn eine Wohnung in Traun. Er macht eine Ausbildung und es ist wichtig, dass er wo zuhause ist. Ich habe noch ein kleines Refugium am Waldrand, eine kleine, einfache Hütte, die mir kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Ich verbringe dort sehr gerne meine Zeit. Ich suche die Stille und bin gerne in der Natur. Mir hilft das kontemplative Gebet, es ist mir wichtig, ausreichend Zeit zu haben, für die Stille, aber auch für das Gespräch mit Freunden. Wenn ich eine traurige Erfahrung mache, schreibe ich darüber, zum Beispiel Artikel für die Kupfermuckn. Das hat eine therapeutische Wirkung. Ich gehe normalerweise täglich zur Messe, meistens zu den Karmeliten.

Fünf Jahre war ich ganz weg vom AMS und von Versicherungen. Ich habe in dieser Zeit mein Vertrauen auf Gott gesetzt. Da ich aber wieder eine Wohnung mit meinem Sohn genommen habe, musste ich mich um eine Geld-Einnahmequelle kümmern und habe mich wieder arbeitslos gemeldet. So beziehe ich nun Notstandshilfe. Im letzten Jahr habe ich die Ausbildung zum Alltagsbegleiter gemacht, das kann man zum Beispiel in der Behindertenarbeit ausüben. Ich habe gerade die Abschlussprüfung gemacht und muss, wenn ich den Beruf ausüben will, noch ein Praktikum machen.

 

Heute habe ich mich wieder vom AMS abgemeldet. Wenn man abgemeldet ist, hat man keinen Bezug und irgendwann auch keine Versicherung mehr, aber man ist frei in seiner Lebensgestaltung.

LESEZEIT: 02-04 min

johannes

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