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michaela

LESEZEIT: 05-07 min

Ich will hier niemanden auf die Idee bringen, Drogen zu nehmen. Das ist nämlich eine dumme Idee. Es ist nicht einmal eine Idee, es ist nur dumm.

Ich wundere mich, dass ich mich noch an diese Tage erinnere.

Wir haben die Polizisten und Polizistinnen hier am Karlsplatz mit Namen gekannt. Und sie haben uns mit Namen gekannt.

Ich hab Gärtnerin gelernt bei der MA40, dem Stadtgartenamt, und war die Lehrzeit dort plus zwei Monate Behaltepflicht. Dann war ich ein halbes Jahr beim Baumax, und in dieser Zeit hab ich meinen Ex kennengelernt, und da hat es angefangen.

Er war gerade auf Ausgang vom Gefängnis, und ich war total verliebt in ihn und Ding und so. Beim Ausgang hat er schon Heroin genommen, dann ist er noch einmal ins Häfn gegangen, einen Monat später ist er rausgekommen und gleich zu mir gezogen. So hat das auch bei mir begonnen, mit der Drogensucht, und mit dem Karlsplatz. Da war noch der alte Karlsplatz, da war die Polizeistation noch klein.

Ich war dann also sehr auf Heroin und hab oft gespieben am Anfang. Vorher hab ich nur Extasy und Speed und so genommen. Aber mit dem Heroin war der Spaß vorbei.

Vorher hab ich nur Extasy und Speed und so genommen. Aber mit dem Heroin war der Spaß vorbei.

 

Ich war zirka drei Jahre lang mit meinem Freund zusammen, zwischen meinem 18. und 21. Lebensjahr. Dann war ich allein am Karlsplatz unterwegs, fünf Jahre lang. Ich hab dort verkauft und hab die Polizei mitgemacht.

Ich hab Tabletten verkauft, die Namen sage ich lieber nicht, weil ich will niemanden dazu einladen. Das waren Schlaftabletten und Beruhigungsmittel, die kriegst du heute zum Teil gar nicht mehr, weil die mittlerweile verboten sind. Ich hab das verkauft, und von dem Geld hab ich dann das Heroin kaufen können.

Das erste Mal, wo mich die Polizei reingezogen hat in die Polizeistation, bin ich zerlegt worden von einer Polizistin, die hat mir sogar den BH weggenommen. Das war natürlich unangenehm. Aber noch unangenehmer war es, dass sie uns die Tabletten weggenommen haben, weil man hat sich dann den Stoff nicht kaufen können.

Ich war damals ja hübsch und schlank, und bei der Polizei hab ich mit den Männern nie Probleme gehabt, nur mit dieser einen Polizistin. Die hat mich nicht nur ein Mal reingezogen.

Ich war damals ja hübsch und schlank, und bei der Polizei hab ich mit den Männern nie Probleme gehabt, nur mit dieser einen Polizistin. Die hat mich nicht nur ein Mal reingezogen.

Der Karlsplatz war mein Zuhause. Am Schluss war ich jeden Tag bis zu drei Stunden dort, bis ich genug verkauft gehabt hab. Das war schon der neue Karlsplatz mit der großen Polizeistation.

Sie haben ja alles umgebaut damals wegen der Fußball-Europameisterschaft, da wollten sie für die Touristen alles clean haben.

Sie haben ja alles umgebaut damals wegen der Fußball-Europameisterschaft, da wollten sie für die Touristen alles clean haben. Die Passage und der Park, alles war jetzt vernetzt und verkabelt, es hat Betretungsverbote gegeben und Wegweisungen, überall waren Zivile unterwegs.

Am Schluss bin ich dort sprechend herumgegangen, da war ich schon krank, Schizophrenie. Ich bin sprechend herumgegangen, weil ich gedacht hab, sie hören mich. Das war auch nicht so cool.

 

Ich war im Substitutionsprogramm. Ich war ein paar Mal im Wagner-Jauregg-Klinikum auf Entzug. Nach dem dritten Mal bin ich gemeinsam mit einer Bekannten rausgekommen, und wir sind beide rückfällig geworden, aber sie ist dabei gestorben. Das war nicht leicht für mich. Wir waren da in einer Wohnung und ich bin in der Früh aufgestanden und hab sie gesucht. Ich bin ins Schlafzimmer gegangen, da war keiner, und dann geh ich durch die Wohnung, geh ins Badezimmer, und da sitzt sie dort vor mir im Türkensitz, und ich greif sie so an, und da ist noch die Luft rausgekommen. Ich hab die Rettung gerufen, dabei war sie schon tot.

Andere Tote hab ich zum Glück nicht so mitgekriegt, so direkt. Ich hab die Klos gekannt, wo sie es sich gegeben haben, die Klos bei den U4-Stationen zwischen Karlsplatz und Margarethengürtel, da sind ein paar verstorben. der Mike, die Jana. Aber wenn du das mitkriegst, denkst du deswegen noch nicht ans Aufhören. Das ist schwer, wenn du schizophren bist.

Aber wenn du das mitkriegst, denkst du deswegen noch nicht ans Aufhören. Das ist schwer, wenn du schizophren bist.

Die Schizophrenie kann durch das Heroin ausgelöst werden, aber auch durch THC, LSD und andere Drogen. Ich bin zirka seit 2011 paranoid schizophren. Ich hab Wahnvorstellungen, Halluzinationen, akustisches Stimmenhören. Ich war eigentlich schon clean, und da hat das irgendwie angefangen mit den Stimmen, die haben mir eingeredet, dass das Junken ganz normal ist, dass das jeder macht, dass alles okay ist. Das war schiach. Das will ich nicht mehr erleben.

Ich bin in Psychotherapie, die hilft mir sehr, aber ich war jetzt schon vier Wochen lang nicht dort. Ich wollte nicht.

Es passiert auch heute noch ab und zu, dass ich in Sachen hineinwandere, die gar nicht mehr real sind, sondern nur im Kopf.

Ich erzähl euch lieber was von heute. Über das LOK.

 

Das LOK ist wirklich Gold wert. Ich bin 2012 zum LOK gekommen, seit 2013 hab ich dort eine Persönliche Betreuung. LOK ist die Abkürzung für "Leben ohne Krankenhaus", das ist ein Verein, der Menschen mit einer psychischen Erkrankung unterstützt.

Ich arbeite in der LOK-Blumenhandlung, im "Unverblümt" in der Krongasse, da bin ich drei Tage in der Woche. Ich hab dort viel gelernt, Blumenstrauß binden, Gestecke machen, Pflanzen umtopfen. Ich mach, was mir halt Spaß macht. Am liebsten mach ich Blumensträuße. Und wenn es mir nicht gut geht, bleib ich zu Hause, das ist kein Problem.

Ich habe heute meine ganzen Bekanntschaften und Freundschaften im LOK. Ich bin dort auch eine von den Klienten-Vertreterinnen. Und ich bin beim Fond Soziales Wien in der Expertinnengruppe für den Selbstvertretungstag.

2019 war in Köln eine trialogische Veranstaltung, und wir sind hingeflogen. Und dann war ich auch zwei Mal in Hamburg und ein Mal in Leipzig auf der "subjektiven Seite der Schizophrenie". Da sind Fachleute, Patienten und Angehörige dabei, also wie beim Trialog.

Und dann war ich auch zwei Mal in Hamburg und ein Mal in Leipzig auf der "subjektiven Seite der Schizophrenie". Da sind Fachleute, Patienten und Angehörige dabei, also wie beim Trialog.

Es werden Vorträge gehalten und Gespräche geführt: Was gibt es an neuen Behandlungen, an neuen Projekten und so. In Hamburg war es sehr lustig und schön, das hat mich echt glücklich gemacht.

Ich hab eine Schwester, die ist drei Jahre jünger, die lieb ich über alles, und die sieht meine Krankheit auch ein. Meine Schwester und meine Eltern sind sehr viel wert für mich geworden, weil das die einzigen sind, die nicht dumm hinter meinem Rücken reden. Ich kann ihnen vertrauen, was immer mit mir los ist.

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