schriftzug.png

Es interessiert mich und es trifft mich, wenn ich kranke Leute sehe, Armut sehe, oder wenn ich sehe, dass Menschen viel arbeiten und trotzdem zu wenig zum Leben haben. Dass es so was bei uns in Österreich und in Europa noch immer gibt! Ich bin außen hart, aber innerlich werde ich ganz weich, wenn ich sowas sehe. Das geht gar nicht, wenn da niemand hilft. Ich rede mit den Leuten auf der Straße und vermittle sie zu ausgebildeten Sozialarbeitern. Ich versuche sie einfach zu unterstützen, ich setze mich für sie ein.

 

Der Park hier, da hatte ich den ersten Kontakt mit jemanden auf der Straße. Da habe ich zum ersten Mal jemanden angesprochen und gefragt, ob ich helfen kann.

 

Mehr als 30 Jahre engagiere ich mich im sozialen Bereich, zum Beispiel in der Drogenselbsthilfe Vorarlberg, da bin ich im Vorstand. Angefangen habe ich bei der niederschwelligen Anlaufstelle „Do-it-yourself“, ich bin heute auch im Beirat. Menschen, die wenig Geld haben, können bei uns essen, wir unterstützen sie bei Amtswegen. Alle können kommen, egal welche Krankheit oder Sucht sie haben. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe. Uns ist wichtig ihnen zu vermitteln, wie wichtig eine Tagesstruktur ist. Ohne Struktur geht gar nichts. Wenn sie nur in den Tag hineinleben, stumpfen sie ab und wissen nichts mit der Zeit anzufangen. Sucht beginnt oft schon in der Kindheit. Nicht jedes Kind ist gleich, das eine ist stärker, das andere ist labiler oder sensibler. Entscheidend ist wie die Eltern mit dem Kind umgehen.

 

Sozialleistungen werden gekürzt. Viele müssen mittlerweile einen Euro nicht mehr nur zweimal umdrehen, sondern schon fünfmal. Jedes Bundesland hat unterschiedliche Regelungen bei der Mindestsicherung, das ist unsinnig. In Vorarlberg war die Situation früher besser. Die Betroffenen bekommen immer weniger und es wird alles komplizierter, die Amtswege, die Formulare. Die Leute kennen sich überhaupt nicht mehr aus.

 

Es gibt viel zu verändern. Es wird alles schlimmer, das Rad wird im Sozial- und Gesundheitsbereich zurückgedreht, wir gehen nicht vorwärts. Es geht nicht mehr lang, dann macht es einen Knall.

 

Zu wenige Pflegekräfte, zu wenige Ärzte, im Sozialbereich sowieso zu wenig Personal. Eine Sozialarbeiterin muss immer mehr Betroffene betreuen, das geht sich nicht mehr aus. Den Armen geht es eh schon schlecht, wenn man noch mehr kürzt und einschränkt, geht sich das alles nicht mehr aus.

 

In der Politik herrscht das pure Chaos, egal in welcher Partei. Sie sind nur noch mit sich selbst beschäftigt. Ich sollte mir die Nachrichten nicht mehr anschauen, aber dann muss ich mir das doch anschauen. Früher habe ich das nicht so verfolgt, ich befasse mich nun zu viel mit der Politik, ich sollte das wieder lassen. Immer diese Standardaussagen, es kommt immer das gleiche, vielleicht noch ein Witzerl dazu, damit es sich besser anhört, aber es ist nur zum Ärgern.

 

Ich bin gelernter Maurer und war oft auf Montage. Ich habe in verschiedenen Jobs gearbeitet, auch im Sägewerk. Dort habe ich Bäume zugeschnitten und geschlichtet. Jetzt bin ich in der Pension und arbeite geringfügig, so wie es mir guttut. Ich habe kein Problem mit Sucht, hin und wieder trinkt man mal mehr, aber dann wieder nichts. Man kann schon mal ein Glaserl trinken, aber ich kenne viele Leute, die süchtig sind, das schockiert mich. Wenn alles zu viel wird, denkt man, wenn man trinkt oder Drogen konsumiert, dann ist das Problem weg, aber am nächsten Morgen kommt es doppelt zurück. Das war bei mir auch so, wenn ich mal mehr getrunken habe. Am nächsten Tag war das Problem wieder da, zusätzlich auch noch Kopfweh.  

 

Ich bin einer, der klar und geradeaus sagt, was Sache ist. Normal soll man abwägen, aber ich sag es direkt, wie es ist und fertig. Der eine tut es verschönern, ich fahr direkt darauf zu. Ich muss natürlich schauen, wie die Person es aufnimmt, ob sie es überhaupt aufnehmen kann. Wenn jemand dasitzt und er ist ohnehin total am Boden, dann bin ich natürlich nicht so direkt. Ich kenne viele Leute und ich halte den Kontakt. Ich glaub, ich kenn in ganz Vorarlberg Leute.

 

Die beste Medizin, wenn mich was aufregt, ist, ich nehm meinen kleinen Hund und geh spazieren an den See, setzt mich hin und schau. Das ist meine Methode, um runterzukommen. Oder ich geh fischen. Früher habe ich die Nerven nicht gehabt stundenlang am See zu sitzen und zu schauen, da bin ich lieber im Gasthaus gewesen. Das mach ich jetzt nicht mehr. Die Zeit, die ich habe, kann ich nun besser nutzen. Oder ich fahr nach Salzburg oder Wien.

 

Ich wohne außerhalb von Feldkirch, ich bin kein Stadtmensch. Ich wollte mal nach Wien, aber nach zehn Tagen war ich wieder froh draußen zu sein. Nicht die Größe ist das Problem, Wien gefällt mir auch, aber die Leute sind so hektisch.

 

Die U-Bahn kommt alle paar Minuten und sie springen und laufen trotzdem hin zum Zug. Das kann es doch nicht sein, er kommt ja sowieso gleich wieder!

peter

LESEZEIT: 07-09 min

teile die geschichte
  • Instagram - Schwarzer Kreis
  • Facebook - Schwarzer Kreis
  • Twitter - Schwarzer Kreis