sabrina
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Mein Ziel heißt: Weg von da!
Ich weiß nicht, warum die Rechten so eine Panik vor Trans-Menschen haben. Ob sie uns nur als Sündenbock brauchen oder ob es da auch um andere Ängste geht, die sie abwehren müssen, Ängste vor eigenen femininen Anteilen, oder so. Keine Ahnung. Ich weiß nur: Wenn Kickl und Co an die Macht kommen, müssen Menschen wie ich auswandern.
Meine Vergangenheit kann mir gestohlen bleiben, die lass ich gerne hinter mir. Meine Kindheit war nicht schön, da fängt es schon einmal an. Ich kann auf vieles verzichten, was ich als Kind erlebt hab. Und es hat sich danach nicht gebessert. Im Endeffekt bin ich immer übriggeblieben. Mit meinen Gefühlen. Mit meiner Welt. Die hab ich erst in den letzten zehn Jahren begonnen zu verwirklichen. Vorher war sie nur in mir, versteckt. Ich hab sie nicht hinaustragen können, hab sie nicht leben können.
Ich bin heute 56, das heißt, ich bin in einer Zeit groß geworden, da war alles tabu. Homosexualität ist angeprangert worden als ob es ein Verbrechen wäre. Obwohl es das Normalste der Welt ist.
Ich bin heute 56, das heißt, ich bin in einer Zeit groß geworden, da war alles tabu. Homosexualität ist angeprangert worden als ob es ein Verbrechen wäre. Obwohl es das Normalste der Welt ist. Und obwohl es für Homosexualität in Österreich vom Gesetz her seit 1971 offiziell kein Totalverbot mehr gab, die Leute haben das noch lange anders gesehen. Vorneweg die Kirche. Ich sag ganz offen: Ich bin überzeugte Atheistin. Aber es steht in der Bibel, dass es uns gibt, dass Gott uns geschaffen hat. Auch wir sind Geschöpfe Gottes.
Es hat Jahrzehnte gedauert, die Diskriminierungen halbwegs aus den Gesetzen und den Hirnen zu bekommen und nun holen sie die Rechten wieder hervor. Das ist das Schlimmste: Dass man Menschen, die sind wie sie sind, weil sie so geboren werden, weil sie so zur Welt kommen, einfach das Existenzrecht abspricht.
Nach dem, was die Rechten weltweit gerade aufführen, hoffe ich, dass die Menschen in Österreich noch rechtzeitig aufwachen und draufkommen, dass man die nicht wählen darf. Weil sonst können Menschen wie ich auswandern, Tatsache.
Wohin? Es gibt schon Möglichkeiten. Nur nicht innerhab der EU, weil da können sie dich holen. Es gibt ein europäisches Land, das nicht in der EU ist, und das ist Norwegen, das ist sehr liberal. Also rauf nach Norwegen und um politisches Asyl ansuchen und fertig.
Ich bin transgender und nicht homosexuell, das sind zwei Paar Schuhe. Ich war das schon als Kind, das weiß man einfach von klein auf.
Ich bin transgender und nicht homosexuell, das sind zwei Paar Schuhe. Ich war das schon als Kind, das weiß man einfach von klein auf. Meine Mutter hat mit mir geschrien wie am Spieß, wenn ich einmal gesagt hab, dass ich lieber einen Rock anziehen möchte als eine Hose. Das hat es nicht gegeben bei uns damals.
Eltern, die einem etwas aufzwingen wollen, gibt es heute noch. Ich war jetzt zum ersten Mal bei einem Gruppentreffen bei der "Courage" und bin wirklich erschrocken, wie grauslich die Menschen immer noch von ihren Familien behandelt werden.
"Courage", das ist eine Beratungsstelle für queere Menschen, die gibt es österreichweit, und da gibt es in Klagenfurt auch eine begleitete Selbsthilfegruppe für Menschen mit Trans-Identitäten. Da kann man offen und frei über seine Erfahrungen und Probleme reden. Bei diesem Treffen waren die Eltern das Thema und ich muss sagen: Es ist unglaublich, wie Trans-Menschen immer noch unter Druck gesetzt werden. Kein Verständnis. Kein Zuhören. Kein Darüber-Reden. Nur Druck. Und dann wundern sich alle bei einem Selbstmord: Wieso denn, es hat ihm ja nichts gefehlt.
Kein Verständnis. Kein Zuhören. Kein Darüber-Reden. Nur Druck. Und dann wundern sich alle bei einem Selbstmord: Wieso denn, es hat ihm ja nichts gefehlt.
Wenn jemand erst mit 14 oder 18 draufkommt, dass er transgender ist, dann ist das erfahrungsgemäß eher mit Vorsicht zu genießen. In dem Alter kann das eine momentane Phase sein, der Wunsch, aus den klassischen Rollenbildern auszubrechen. Deswegen bin ich keine Freundin davon, wenn psychologische Gutachten weggelassen werden so wie in Deutschland.
Ohne Psychotherapie und psychiatrisches Gutachten wird die Sache beliebig und auch ausgenutzt, das hat man ja jetzt in Deutschland gesehen, wo sich dann der eine mit dem Hulk-Hogan-Bart auf einmal eine Frau nennt, nur damit er ins Frauengefängnis gehen kann und nicht ins Männergefängnis muss. So etwas darf nicht passieren. Das regt die Leute zu Recht auf, und die Rechten benutzen so eine Geschichte für ihr Feindbild, und es geht dann gegen alle Transgender, das fällt auch Leuten wie mir auf den Kopf.
Meine Transsexualität ist kein Grund für die Scheidung gewesen, das hat damit nichts zu tun gehabt. Meine Frau hat es schon vorher gewusst. Und ich hab es dann erst danach gemacht. Es hat 2013 ein Erlebnis gegeben, auf das ich hier nicht näher eingehen möchte, und dann hat es für mich diese zwei Möglichkeiten gegeben: Entweder Suizid oder als Frau weiterleben. Und da hab ich mich für diesen Weg entschieden: Ich möchte nicht mehr als Mann weiter den Trottel machen, sondern so leben wie ich mich fühle. Gottseidank hab ich das gemacht.
Meine Frau und ich haben das im Endeffekt trotzdem auch gemeinsam gemacht. Wir haben das bei der Psychologin besprochen, die Kinder haben das mit der Psychologin besprochen, wir haben diese Schritte gemeinsam eingeleitet. Für den Buben war es eher ein Problem, fürs Mädchen nicht so.
Mein Sohn ist mittlerweile schon volljährig. Zur Zeit habe ich keinen Kontakt zu meinen Kindern. Das geht leider von meiner Ex aus. Das macht mich natürlich sehr traurig, aber ich versuche, Geduld zu haben. Ich warte ab, bis sie von sich aus Kontakt aufnehmen.
Hormone nehme ich seit 2018, Operation hab ich noch nicht. Einmal schauen. Nächste Woche hab ich einen Termin im Klinikum Klagenfurt, auf der Plastischen Chirurgie, da zeigt sich dann, ob ich einen Termin bekomme oder nicht.
Aber das ist nur ein Aspekt in meinem Leben. Da gibt es noch ganz andere: Insolvenz, Arbeitslosigkeit, mein Rücken.
Aber das ist nur ein Aspekt in meinem Leben. Da gibt es noch ganz andere: Insolvenz, Arbeitslosigkeit, mein Rücken.
Mein Rücken ist kaputt, da ist alles hin, von oben bis unten. Bandscheibenvorfall bei den Halswirbeln heroben, Arthrosen, Trauma in den Lendenwirbelsäulen, dazu Polyneuropathie, das ist eine Nervenkrankheit. Das heißt: Ich hab Nervenschmerzen von früh bis spät, und ich mach Therapien ohne Ende, und ich muss mich mit dem AMS und der PVA herumschlagen.
Ich hab lange in der Gastronomie gearbeitet, ich war selbstständiger Gastwirt und bin dann von Corona und von der ÖBB gekillt worden.
Ich hab zuletzt die Funkl-Hütte auf der Funkl-Alm in der Steiermark bewirtschaftet, eine wunderschöne Gegend, das war eine tolle Erfahrung. Und ich hab seit 2015 das "Gasthaus zur Schiene" am Klagenfurter Ostbahnhof betrieben, das kleinste Wirthaus Österreich, haben es manche genannt, das war ein kleines gemütliches Holzhäuschen, eine Institution mit einer festen Stammkundschaft.
Das Gasthaus war in meinem Besitz, der Grund hat aber der ÖBB gehört. Die ÖBB-Immobilien Kärnten/Steiermark haben in den kleinen Bahnhöfen kontinuierlich eine Gastwirtschaft nach der anderen ersticken lassen und zugedreht. 2020 hab ich zugesperren müssen, 2022 wurde das Gasthaus abgerissen. Alles schleifen, alles weg und sauber. Ablöse fürs Haus hab ich keine gekriegt, im Gegenteil: Sie wollten sogar die Rechnung für den Abriss auf mich schieben.
Ablöse fürs Haus hab ich keine gekriegt, im Gegenteil: Sie wollten sogar die Rechnung für den Abriss auf mich schieben.
Und zu Corona muss ich nicht viel erklären: Hast du genug auf der Seite oder bist ein Großbetrieb mit den entsprechenden politischen Kontakten, dann überlebst du soetwas. Aber uns kleine Selbstständige haben sie hängen lassen.
Letztendlich haben sie mich vor Gericht gezerrt, und dann wurde eine Insolvenz eingeleitet, und der Rechtsanwalt hat mir geraten: Lege dein Gewerbe zurück, geh stempeln, und dann geh zur Schuldnerberatung und in den Privatkonkurs. So war das dann auch. Im Juni 2025 hab ich die letzte Rate bezahlt.
Ende der Geschichte: Ich habe eigentlich alles verloren. Ich hab sogar den 300 Jahre alten Familienbesitz in Zell-Pfarre verloren.
Ende der Geschichte: Ich habe eigentlich alles verloren. Ich hab sogar den 300 Jahre alten Familienbesitz in Zell-Pfarre verloren.
All diese Probleme haben mich in den letzten Jahren psychisch so sehr belastet, dass ich zu einer schweren Alkoholikerin geworden bin. Ich hab mich nur noch betäubt und eingekapselt. Aber das liegt Gottseidank hinter mir. Da bin ich raus. Alkohol bremst dich nur aus. Finger weg!
Arbeiten schaff ich körperlich nicht mehr. Ich hoffe, dass das die PVA bei meinem nächsten Antrag auf Reha-Geld endlich einsieht. Wir sind ja zum Teil noch ein Sozialstaat, aber die Institutionen, die den verwalten, verhalten sich oft nur wie Abwehrstationen.
Wir sind ja zum Teil noch ein
Sozialstaat, aber die Institutionen,
die den verwalten, verhalten sich
oft nur wie Abwehrstationen.
Wenn ich sag, ich will weg von da, dann gilt das zunächst einmal innerhalb von Kärnten. Also endlich weg von Klagenfurt. Ich such schon länger eine günstige Wohnung in Villach. In Kärnten gibt es außer Villach keine Stadt, die einigermaßen liberal ist.











